Reifenwechsel 2026: Welche Regeln jetzt im Frühjahr gelten – und wann ein Bußgeld droht

Reifenwechsel 2026: Welche Regeln jetzt im Frühjahr gelten – und wann ein Bußgeld droht

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Nach Ostern ist traditionell Reifenwechsel-Zeit. Doch was gilt 2026 rechtlich? Welche Reifen sind verboten, welches Profil ist Pflicht und welche Bußgelder drohen – der Überblick für Autofahrer.
a pile of tires stacked on top of each other

Ostern ist vorbei, die Temperaturen steigen – für viele Autofahrer ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den Wechsel von Winter- auf Sommerreifen. Doch beim Reifenthema gelten 2026 einige neue Regeln. Wer sie ignoriert, riskiert Bußgelder, Punkte und im Ernstfall sogar Ärger mit der Versicherung. Der Überblick, was Autofahrer im Frühjahr 2026 wissen müssen.

Die „O-bis-O"-Faustregel: Wann gewechselt wird

In Deutschland gibt es keine starre gesetzliche Pflicht, Winter- oder Sommerreifen zu bestimmten Kalenderdaten aufzuziehen. Stattdessen gilt die situative Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte müssen geeignete Reifen montiert sein – unabhängig vom Datum.

Als praktische Orientierung hat sich die „O-bis-O"-Regel etabliert: Von Oktober bis Ostern sollten Winterreifen aufgezogen sein. Da Ostern 2026 bereits am 5. April war, spricht ab Mitte April nichts mehr gegen den Wechsel auf Sommerreifen – vorausgesetzt, die Wetterprognose zeigt keinen späten Wintereinbruch mehr.

Was sind 2026 noch zulässige Winterreifen?

Seit dem 1. Oktober 2024 gilt eine klare Regel: Winter- und Ganzjahresreifen müssen bei winterlichen Straßenverhältnissen das Alpine-Symbol (auch „Schneeflocke" oder 3PMSF für „Three Peak Mountain Snow Flake") tragen. Reifen, die nur mit „M+S" („Mud and Snow") gekennzeichnet sind, reichen nicht mehr aus – auch wenn sie früher als winterfest galten.

Konkret bedeutet das für 2026:

  • Zulässig: Reifen mit Alpine-Symbol (Schneeflocke im Berg)
  • Nicht mehr zulässig: M+S-Reifen, die vor dem 31. Dezember 2017 produziert wurden
  • Sonderfall Sommerreifen mit M+S-Kennzeichnung: Die gibt es zwar, sie sind aber keine Winterreifen im Sinne des Gesetzes

Wer noch alte M+S-Reifen ohne Alpine-Symbol auf den Felgen hat und bei winterlichen Bedingungen fährt, begeht einen Verstoß gegen die StVO.

Mindestprofiltiefe: Was wirklich vorgeschrieben ist

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt in Deutschland 1,6 mm – und zwar einheitlich für Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen. Das ist aber nur die untere Schmerzgrenze. Sachverständige und Automobilclubs empfehlen deutlich mehr:

  • Sommerreifen: mindestens 3 mm für sichere Bremswege bei Nässe
  • Winter- und Ganzjahresreifen: mindestens 4 mm, sonst lässt die Schnee- und Nässehaftung stark nach

Der Bremsweg bei Nässe verlängert sich bei 1,6 mm gegenüber 4 mm teils um mehr als 10 Meter – das kann über Auffahrunfall oder nicht entscheiden.

Praxistipp: Die meisten Reifen haben sogenannte TWI-Markierungen (Tread Wear Indicator) in den Rillen. Sind diese Stege mit der Lauffläche bündig, ist die 1,6-mm-Grenze erreicht. Dann muss spätestens gewechselt werden.

Bußgelder: Das kostet der Verstoß

Wer mit ungeeigneten Reifen bei winterlichen Bedingungen erwischt wird oder das Mindestprofil unterschreitet, muss mit folgenden Strafen rechnen:

Falsche Reifen bei winterlichen Bedingungen

  • Einfacher Verstoß: 60 Euro + 1 Punkt in Flensburg
  • Mit Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer: 80 Euro + 1 Punkt
  • Mit Gefährdung: 100 Euro + 1 Punkt
  • Mit Unfallfolge: 120 Euro + 1 Punkt

Zu geringe Profiltiefe (unter 1,6 mm)

  • Für den Fahrer: 60 Euro + 1 Punkt (pro Reifen gleich)
  • Für den Halter (wenn ein anderer gefahren ist): 75 Euro + 1 Punkt

Wichtig: Bei schweren Mängeln an den Reifen kann die Betriebserlaubnis erlöschen – dann droht zusätzlich eine Stilllegung des Fahrzeugs bei der nächsten Kontrolle.

Sommerreifen im Winter – und umgekehrt

Mit Sommerreifen bei Glatteis oder Schneematsch zu fahren, ist nicht nur gefährlich, sondern auch teuer. Umgekehrt ist Winterreifen im Sommer zwar nicht verboten, aber meistens ineffizient: Der Bremsweg verlängert sich, der Verbrauch steigt, und der Reifen verschleißt schneller.

Achtung bei Ganzjahresreifen: Sie sind ein Kompromiss, kein Wundermittel. In Regionen mit mildem Klima können sie eine gute Wahl sein – wer aber regelmäßig auf verschneiten Bergstraßen unterwegs ist, fährt mit spezialisierten Winter- und Sommerreifen sicherer.

Versicherung: Was passiert bei einem Unfall mit falschen Reifen?

Ein häufig übersehener Punkt: Wer bei winterlichen Straßenverhältnissen ohne geeignete Reifen einen Unfall verursacht, riskiert Probleme mit der Kaskoversicherung. Bei grober Fahrlässigkeit kann die Versicherung ihre Leistung kürzen oder ganz verweigern. Auch zivilrechtlich kann dem Fahrer eine Mitschuld zugerechnet werden – selbst wenn der Unfallgegner der eigentliche Verursacher war.

Die Haftpflichtversicherung des Fahrzeughalters zahlt zwar den Schaden des Gegners, kann aber im Regress einen Teil vom Halter zurückfordern.

So wechseln Sie richtig: Tipps für die Praxis

  1. Reifen vor dem Aufziehen prüfen: Profiltiefe messen, Risse, Beulen oder ungleichmäßigen Verschleiß kontrollieren.
  2. Reifenalter beachten: An der DOT-Nummer auf der Flanke ablesbar (z. B. „2220" = 22. Woche 2020). Ältere Reifen als 6 Jahre sollten kritisch geprüft, ab 8–10 Jahren grundsätzlich ersetzt werden – das Gummi wird hart und verliert Grip.
  3. Radmuttern korrekt anziehen: Die richtigen Drehmomente stehen in der Bedienungsanleitung. Nach etwa 50 Kilometern sollten die Muttern nachgezogen werden.
  4. Richtig lagern: Sommerreifen liegend oder auf Felgen gestapelt, Reifen ohne Felgen stehend und regelmäßig drehen. Kühl, trocken und dunkel – nicht in der Nähe von Benzin, Öl oder Chemikalien.
  5. Reifendruck kontrollieren: Der vom Hersteller vorgegebene Luftdruck steht im Tankdeckel oder in der Türschwelle. Zu niedriger Druck erhöht den Verbrauch und den Verschleiß spürbar.

Fazit: Jetzt ist die richtige Zeit – aber mit Sorgfalt

Der Frühling ist für die meisten Autofahrer der Standard-Termin für den Reifenwechsel. Wer die Gelegenheit nutzt, sollte nicht nur mechanisch wechseln, sondern auch Profil, Alter und Zustand der Reifen kritisch prüfen. Denn am Ende zählt nicht der Kalender, sondern der Straßenzustand – und die Sicherheitsreserve, die Ihre Reifen bieten.

Mit korrekt montierten, gesetzlich zugelassenen Reifen und ausreichend Profil fahren Sie nicht nur sicherer, sondern vermeiden auch Bußgelder, Punkte und ärgerliche Diskussionen mit der Versicherung im Ernstfall.

Bild: Vincent Botta via Unsplash